Herz-Wege mit Pferden
Herz-Wege mit Pferden

Über Freiheit

Pferde verkörpern Freiheit wie kein anderes Tier in der Umgebung der Menschen. Sie stehen für Wildheit, Schnelligkeit und weiten Raum. Trotz aller Zäune und Domestizierung ist das Pferd als Freizeitpartner für viele ein Ausdruck ihrer Sehnsucht nach Freiheit.

 

Dementsprechend suchen auch immer mehr Menschen nach einem Umgang und Training, bei dem das Pferd tatsächlich frei IST. Nur "Strick ab" reicht nicht, das fühlen immer mehr Pferdebesitzer. Freiarbeit mit Herz ist ein neuer Weg, mit unseren Pferden umzugehen und mit ihnen zu trainieren.

 

In diesem mehrteiligen Blog schreibe ich darüber, was FREIHEIT für uns und unsere Pferde bedeutet.

(Bitte runterscrollen, um die neueren Teile zu lesen.)

FREIHEIT I

 

Eine Weisheit für alle Mutigen, die ihre Pferde wirklich innerlich freilassen und ihnen nicht mehr mit Druck und Gehorsam begegnen wollen:

 

"The master has failed more often than the pupil has ever tried."
(Dem Meister ist es öfter nicht gelungen, als der Schüler es je versucht hat.)

 

Freiheit zu leben ist oft ganz schön schwer. Sie enthält nicht nur Sonnenschein, sondern auch Scheitern. Nicht nur Ja, sondern auch Nein. Eigentlich ist es ja ganz natürlich, dass ein Lebewesen nicht immer tun möchte, was wir wollen. Aber wenn wir "unserem Pferd die Freiheit geben", könnte es doch dankbar sein und uns dafür geben, was wir so gerne möchten? Es könnte doch mitarbeiten? *Seufz*. Ja, leider sind wir so geprägt und konditioniert. Unbewusst erwarten wir, für unser Geben (Freiheit) etwas zurückzubekommen (Mitarbeit). Und merken nicht, dass unser Geben auf diese Weise noch nichts mit Freiheit zu tun hat. Auch Erwartungsdruck ist Druck, und unsere Pferde nehmen ihn wahr, auch wenn wir selbst es nicht merken.

 

Das Pferd nimmt uns beim Wort. Freiheit: Es sagt Nein. Dreht sich weg, geht weg, ignoriert uns. Und dann sind wir frustriert, zweifeln an uns selbst oder an unserem Weg. Frust ist die Falle, in der wir uns immer wieder verfangen. Frust lähmt uns, raubt unsere Kreativität und Motivation. Will uns verführen, zurückzufallen in alte Durchsetzungsmuster, wenn die Angst vor Kontrollverlust zu groß wird.

 

Immer wenn dies eintritt, denk an den Spruch vom Meister! Halt inne, atme ein paar Mal tief durch und nimm das Nein des Pferdes aufrecht entgegen. "Aha. Du sagst Nein ... okay ... ist wohl gerade nicht das, was dir gefällt. Wie können wir es anders machen?" Lass den Faden der Verbindung nicht abreißen und bleib im geteilten Raum echter Freundschaft, bis einer von euch beiden eine Idee hat. Du oder dein Pferd. Lass zu, dass euer Tun aus dem Sein erwachsen kann. Und dann: auf zum nächsten Versuch ... auf dem Weg zur echten Meisterschaft!

 

FREIHEIT II

 

Dieser zweite Beitrag handelt davon, was derzeit häufig passiert, wenn Menschen ihrem Pferd Freiheit geben wollen, geleitet von dem Wunsch, nicht die üblichen Mechanismen von Druck, Gehorsam und Kontrolle anzuwenden.

 

Stell dir vor, an einem Tag in deinem Leben kommen auf einmal ein paar Menschen zu dir und bringen dich auf eine wunderschöne Insel. Du kannst ihre Sprache nicht verstehen, aber ihrem Auftreten und Handeln kannst du ohne weiteres entnehmen, dass sie es gut mit dir meinen. Sie zeigen dir all die schönen Plätze auf der Insel, bringen dir mehrmals täglich köstliche Speisen und warmes Badewasser und sorgen dafür, dass dein Bett immer frisch gemacht ist und nach wohlriechenden Kräutern duftet. So wandelst du über die schöne Insel, sorglos, entspannt und vollkommen stressfrei. Wäre das nicht wunderbar?

 

Reif für die Insel?

 

Jetzt wüsste ich gern, wie viele von euch beim Lesen mit einem inneren Seufzer gedacht haben: Ach ja, das wär’s doch mal! Aus diversen Gründen ist unser Leben mit Druck, Zwängen und Existenzängsten angefüllt, während wir eine tiefe Sehnsucht nach Einklang, Harmonie und Entspannung mit uns herumtragen.

Wie wunderbar, dass wir wenigstens unseren Pferden – im Rahmen der Möglichkeiten – so eine friedliche Inselwelt bieten können. Wenn wir schon nicht frei sein und tun können, was wir wirklich wollen, dann wenigstens unsere geliebten vierbeinigen Freunde. Wir haben Schluss gemacht mit Druck, Gehorsam und Kontrolle, wir wollen unsere Pferde glücklich sehen.

 

Und wir erfahren täglich: So eine Insel mit Pferden zu teilen, ist ungeheuer wohltuend für uns stressgeplagte Menschen. Wenn es dir auch so geht, dann teilen wir wahrscheinlich die Freude daran, mit unseren Pferden einfach auf der Weide herumzuhängen und die Seele baumeln zu lassen. Wir leben jetzt in zwei Welten: Wenn wir unterwegs sind in der rauhen Außenwelt, um unsere Brötchen (und die unseres Pferdes) zu verdienen oder anderen Pflichten nachzugehen, spüren wir den Druck und den Stress. Wenn wir dann abends zur Weide fahren, fällt all dieser Stress von uns ab. Hier tanken wir auf und kommen zur Ruhe.

 

So ungefähr habe ich ein paar Jahre meines Lebens verbracht, und vielleicht kannst du dich wiederfinden, wenn du ein paar Details etwas verschiebst?

Wie aber geht es den Pferden damit?

 

Gehen wir nochmal auf die Insel, auf die dich die Menschen gebracht haben. Nach einer gewissen Zeit fühlst du dich sicher, denn du hast inzwischen erfahren, dass die Umsorgung und das Wohlsein jeden Tag aufs neue pünktlich und zuverlässig funktionieren. Du hast die Schönheit des Raums um dich herum genossen. Gestern. Heute. Vorgestern.
Übermorgen.
In drei Wochen.
In drei Monaten.
Mittlerweile hast du ein ganz nettes Bäuchlein und Speck an den Hüften. Und innerlich hat sich eine gewisse Trägheit ausgebreitet. Der anfängliche Genuss beim Essen ist in Langeweile übergegangen. Deine Gliedmaßen fühlen sich ziemlich schlaff an.

 

In drei Jahren?
O je. Echt? Immernoch?
Eigentlich wäre es doch toll, mal einen kleinen Ausflug aufs Festland zu unternehmen. Mal ein paar andere Leute zu treffen. Oder mehr Sport zu machen, um wieder fitter zu werden. Wie kommt man eigentlich überhaupt mal hier weg? Ist das gar nicht vorgesehen? Naja, ein Boot gibt es nicht, und Schwimmen ist definitiv viel zu anstrengend!

 

Ja – du ahnst wahrscheinlich, worauf ich hinaus will: So und nicht anders geht es vielen Pferden heute, die dem Boxendasein und strikten Gehorsamstraining glücklich entronnen sind, weil sie auf eine Insel der Seligkeit gebracht wurden. Vielleicht nicht allen – aber vielen. Als Freizeitpartner ihrer ruhebedürftigen und stets zeitknappen Menschen leben sie wohlversorgt auf ihrer Insel und büßen dabei ihre körperliche Fitness, ihre Wachheit, ihre Spannkraft ein. Denn eins dürfen wir nicht übersehen: Unsere Inseln sind sehr klein. Die Freiheit, die wir da für unsere Pferde schaffen wollen, ist arg begrenzt. Viele Zäune! Keine Möglichkeit, die natürlichen Rituale des Wanderns und die Dynamik zu erleben, die in freien Herden dazugehören. Klar, auch auf unseren Inseln kommen und gehen Pferde, aber darüber entscheiden die Menschen, nicht die Pferde. Kaum Möglichkeiten, sich in den natürlichen Herausforderungen des Lebens zu beweisen und das Pulsieren der eigenen Kraft in den Adern zu spüren ...

 

Die Weisheit hinter all diesen Bildern und Gedanken ist so einfach wie bedeutend:

Leben ist Veränderung!

 

Leben beinhaltet Wandel, Herausforderung, Reibung, Abenteuer, fließende Kräfte, Kommen und Gehen, Wachsen, Lernen, Disziplin, Fokus, Überwinden von Ängsten und die sprühende Freude einer kraftvollen Selbst-Erfahrung.

 

Auch Pferde können behäbig und träge werden. Auch Pferde entwickeln Depressionen und Zustände mangelnder Lebensfreude aufgrund von Langeweile. Vor allem Pferde mit Leitpferd-Qualitäten und hoher Intelligenz werden vom Grasen allein nicht glücklich. Und viele Pferde, denen es noch gut gefällt auf der Insel, mampfen zufrieden ihr Gras und stehen herum, bis eine der Zivilisationskrankheiten ihr bequemes Dasein trübt.

 

In der Wildnis besitzen alle Pferde, nicht nur die Leittiere, wache Instinkte und eine gute Beweglichkeit. Sie erleben den Wechsel von Aktion und Pause, Entspannung und Dynamik, Geben und Nehmen. FREIARBEIT MIT HERZ ist darauf gerichtet, diesen Wechsel, diese Spannung, dieses Abenteuer ins Leben unserer Pferde zurückzubringen. Spannende, stärkende Trainings bewirken, dass Pferde ihre Behäbigkeit abschütteln – was aufgrund ihres Inseldaseins eine ganze Weile dauern kann. So entwickeln sie wieder Spannkraft, gewinnen an Ausdrucksvermögen und Lebensfreude.

Für mich ist FREIARBEIT MIT HERZ ein bisschen wie eine Mission. Ich möchte eine neue Art des Umgangs beim Training bekanntmachen. Für mich hat FREIARBEIT MIT HERZ genau so viel mit Power wie mit Sanftmut, mit Lassen und mit Fordern zu tun. Action - und sanfter Flow. So wird Training lebendig.

 

FREIHEIT III

 

In diesem Beitrag geht es um die Frage: Was bedeutet Freiheit überhaupt im Umgang zwischen Mensch und Pferd?

 

Vor ein paar Tagen habe ich die Vorführung eines bekannten "Pferdeprofis" anlässlich einer Geschäftseröffnung erlebt. Er stellte seine Arbeit vor und zeigte den 95% Frauen und 5% Männern, die sich als Zuschauer eingefunden hatten, zunächst seine Freiarbeit. Immerhin ist er ehrlich, seine erste Kernaussage ist ganz deutlich: Wenn ich von meinen Pferden etwas möchte und sie machen es nicht, mache ich so lange Druck, bis sie es tun. Eine Minute später demonstriert er, wie er mit Schwung seine Peitsche von oben nach unten sausen lässt, mit dem Kommentar: Wenn sie dann nicht weg sind, kriegen sie sie eben ab. Dies sei der Fehler, den die meisten machen – dass sie dann nicht zuschlagen, sondern zaudern. Und nochmal zwei Minuten später knallt er seiner Stute, mit der er seit 24 Jahren zusammen ist, voll die Gerte vor die Brust weil sie zwar schon rückwärts weicht, aber nicht ganz so schnell, wie er gern möchte.

 

Auf diese Weise führt er mitten in der Öffentlichkeit vor, wie man anderen Lebewesen gegenüber gewalttätig sein kann (und darf). Der Schlag vor die Brust der Stute tut mir (und ihr) gleich doppelt weh: auf der Haut und im Herzen, diesem Raum voll warmer, liebevoller Energie, die ein Pferd so gern mit einem Menschen teilt. Die Gewalt, die er vorführt, ist ebenfalls zweifach: körperlich und psychisch. Die Stute und ein zweites beteiligtes Pferd stehen die ganze Zeit mit leicht gesenktem Kopf bewegungslos vor ihm, wenn er redet. Sie zeigen keinerlei Gefühl oder Ansätze zu einer Bewegung. Sie sind psychisch völlig gefangen und hüten sich, einen eigenen Schritt zu tun. Ihre Ausstrahlung ist bei Null.

 

Dieses Beispiel soll zeigen, wo wir hinschauen müssen, wenn wir nach Freiheit für unser Pferd suchen: Nicht im Außen, denn wir können ihnen äußerlich genau so wenig die völlige Freiheit schenken wie uns selbst. Das wäre vielleicht noch irgendwo in Kanada möglich, aber nicht im eng bevölkerten Deutschland. Der entscheidende Raum für die Freiheit unseres Pferdes ist die Psyche!

 

Freiheit ist ein absoluter Begriff, ein Konzept - und manchmal ein inneres Gefühl von Grenzenlosigkeit. Grenzen lösen sich auf, wenn zwei Wesen in vollkommener Harmonie zusammenfließen und nichts mehr wahrnehmen außer ihre gemeinsame Bewegung, ihren Tanz. Dies sind die absoluten Höhepunkte in der Freiarbeit, und sie kommen unvorhergesehen, unplanbar und (zumindest bei uns) auch nicht andauernd. Wenn sie kommen, sind sie pure Glückseligkeit und vermitteln dasselbe Zentaur-Gefühl, das beim Reiten entstehen kann.

 

Außer dieser gefühlten Freiheit entsteht auch Freiheit, wenn ich achtsam damit umgehe, welche unsichtbaren Grenzen ich der Psyche, dem Empfinden und der Ausdrucksmöglichkeit meines Pferdes setze oder eben nicht. Hier ein paar wichtige Fragen: Neigst du zu Kontrolle? Gibt es im Hintergrund deines Wesens angstgesteuertes Verhalten? Hast du einen ausgeprägten Willen, der nicht mit dem Herzen verbunden ist und durch dieses weich und geschmeidig wird? Fehlt es dir manchmal an Empathie und du bekommst gar nicht mit, was in deinem Pferd vor sich geht? Wenn ich diese Fragen selbst beantworten soll, lauten meine Antworten: manchmal, manchmal, manchmal, manchmal. Und ich bin froh darüber, dass ich beides wahrnehmen kann – die Momente, in denen ich Freiheit spüren und auch bei anderen zulassen kann, und die Momente, in denen ich festhalten und die Kontrolle behalten oder mich durchsetzen will. Pferde, die sich ausdrücken dürfen, zeigen ihrem Menschen, wann er sich wieder einmal in seinen Kontroll- und Willensstrukturen verheddert hat, und es ist schon viel gewonnen, wenn wir diese Dinge als Kommunkation wahrnehmen und weder das Pferd und sein NEIN noch uns selbst verurteilen.

 

Wer bereit ist, sich in diesen Punkten selbst zu beobachten und das innere Loslassen, die Rücksicht und den Respekt für das Pferd weiterzuentwickeln, wird den inneren Spielraum des Pferdes nach und nach vergrößern und lernen, es mehr und mehr freizulassen.

 

Freiheit hat also viel mit unserer inneren Haltung zu tun. Allerdings nicht nur mit unserer, sondern auch mit der des Pferdes. Es kann passieren, dass das Freilassen ins Negative kippt: Ich will mit meinem Pferd trainieren, es sagt dreimal Nein, und ich höre wieder auf. Oder ich versuche, es in den Trab zu bekommen, und es hat den Huf auf der Bremse, so dass ich schließlich schwitze und das Pferd schleicht mit minimalem Einsatz über den Platz. Das hat nichts mit Freiheit zu tun, sondern mit Energiekontrolle durch das Pferd. Training ist Kommunikation, und es wäre schade, wenn ich dann nichts mehr zu sagen weiß. Was kann ich tun, wenn mein Pferd gerade in einer eher trägen Stimmung ist, und ich komme mit guter Energie zum Pferd, um gemeinsam Freiarbeit zu machen?

 

In diesem Video zeige ich, wie ich mit meiner Stute Liberty in eine Unterhaltung eintrete, um sie aus ihrer trägen Stimmung herauszuholen und zusammen in den Flow zu kommen. In der FREIARBEIT MIT HERZ gibt es zahlreiche Übungen und Bewegungseinladungen, die dazu beitragen. Je nach Pferd können wir sie anwenden. Manches kann man systematisch üben, aber das Entscheidende bleibt dabei unsere spontane, offene und fließende Entscheidung.

 

Ein DANKESCHÖN für deine Verbindlichkeit:

Für alle Anmeldungen zu Seminaren, Kursen und Coachings 2018 bis zum 31. Dezember 2017 erhältst du 10 Prozent Ermäßigung!

Freudige Mitteilung: Mein Artikel zur Freiarbeit mit Herz ist erschienen ... Infos zur Zeitschrift gibt es hier.

Ausbildung zur Freiarbeit mit Herz - Trainerin: Infos hier

AKTUELL:

Unsere Winterpause rückt näher: Vom 15.12.-31.1. gehen wir in die Stille des Jahreswechsels. Deshalb gibt es weder Seminare noch Einzelcoachings.

 

Die Termine für Seminare und Kurse 2018 findest du bereits hier auf der Website.

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© Bettina Löber

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