Herz-Wege mit Pferden
Herz-Wege mit Pferden

Über Körpersprache und Desensibilisierung

Gestern brachte mich ein Beitrag auf den Begriff "Desensibilisierung", der in der Pferdeerziehung immer wieder auftaucht. Dieser Begriff erzeugt schon beim Hören in mir ein großes Unwohlsein, was wohl daran liegt, dass ich selbst zu den Hochsensiblen zähle, also generell viel mehr Sinneseindrücke empfange als andere Menschen und automatisch fühle, was in anderen vorgeht. Als Kind habe ich die Erfahrung gemacht, dass die erwachsene Außenwelt mangels besserer Ideen meine manchmal starken Reaktionen auf Reizüberflutung in Form von Tränen und Gefühlsausbrüchen mit Appellen wie "nun stell dich nicht so an" oder "reiß dich mal zusammen" reagiert - mit vielen Versuchen, mich zu "desensibilisieren".


Die Idee ist nachvollziehbar und einfach: Wenn mein Pferd sich als schwer kontrollierbarer Partner oder unsicheres Reitpferd zeigt, desensibiliere ich es, damit ich mich sicher fühle und es reiten kann. Aber diese Idee stammt aus einer Welt, in der das Pferd ein Nutztier ist und funktionieren muss. Hochsensible Menschen und Pferde sind nicht gefährlich an sich. Der Umgang mit ihnen wird gefährlich oder schwierig, wenn man sie zwingt, sich selbst zu verleugnen. Pferde sind generell hochsensibel im Vergleich zu uns Menschen, aber manche sind auch noch sensibler als ihre Artgenossen. Und sie machen es ihren Menschen tatsächlich nicht leicht.

Für mich war es so, dass ich als Erwachsene selbst herausfinden musste, was das eigentliche Problem war. Die Pferde haben mir dabei geholfen. Sie haben mir das Selbstvertrauen zurückgegeben, so zu sein, wie ich bin, und sie haben mir gezeigt, wie ich als Hochsensible mit diesem enormen Mehr an Reizen und Eindrücken im Vergleich zu anderen Menschen gut leben kann. Wie ich die Überwältigung und Überflutung in Fülle und Reichtum verwandeln kann. Und jetzt möchte ich anderen Menschen zeigen, wie sie mit ihren Pferden leben können, ohne sie zu DESENSIBLISIEREN - und wie sie trotzdem sicher sein können. Der Weg ist ganz einfach: Sie können es, indem sie sich selbst SENSIBILISIEREN!

Wer dazu bereit ist, entdeckt nicht nur eine neue Ebene des Lebens mit den Pferden, sondern erweckt in sich selbst Fähigkeiten wieder zum Leben, die eigentlich immer da waren und nur verschüttet wurden.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf fand ich heute die folgenden Zeilen über KÖRPERSPRACHE in einem Blog von Farah DeJohnette, meiner Trainerin

(Übersetzung unten):

 

"Truly Natural Language is already in the horse. When we learn it,there is no need to train a conditioned response. We only need to Communicate well!

When core intention is aligned with visualization, it creates a body movement with pure clean communication. It is not so much about how we move, but the authenticity of the Inflection behind the movement. That is why one person can make a subtle movement and get a lot of response from a horse in a specific way. And another will get very little to no response.

Have you ever seen someone jumping up and down and waving tools or sticks at a horse and getting no response from the horse? I call that empty body language. And it tends to serve as unintentional desensitization.

You never want to desensitize your horse to your language. It’s like when you are in a relationship and one person starts to tune the other one out. This in turn tends to make people communicate louder instead of better."


"Echte, natürliche Sprache ist schon im Pferd. Wenn wir sie lernen, ist es nicht mehr nötig, dem Pferd eine konditionierte Antwort anzutrainieren. Wir müssen nur gut kommunizieren!

Wenn die innere Absicht zusammengeht mit Visualisierung, entsteht eine Körperbewegung als reine, klare Kommunikation. Es geht nicht so sehr darum, WIE wir uns bewegen, sondern um die authentische energetische Umsetzung hinter der Bewegung. Deshalb kann eine Person eine feine Bewegung machen und ganz viel Antwort vom Pferd in einer ganz bestimmten Weise erhalten. Und eine andere Person bekommt sehr wenig oder gar nichts.

Hast du schon mal jemanden gesehen, der auf und ab springt und mit irgendwelchen Gerten und Peitschen wedelt und keine Antwort vom Pferd bekommt? Dies nenne ich "Leere Körpersprache", und sie kann unbeabsichtigt zu einer Desensibilisierung führen.

Du solltest niemals wünschen, dein Pferd für deine Sprache zu desensibilisieren. Das ist, als wenn du in einer Beziehung bist, und eine Person fängt an, die andere abzuschalten. Dies führt nur dazu, dass die Leute lauter kommunizieren anstatt besser."

Soweit Farah.

 

Einer der wichtigsten Schritte in meiner Arbeit mit den Pferden war, mich von all den Anleitungen und Vorgaben zu "richtiger Körpersprache" zu verabschieden und meinem eigenen Körpergefühl wieder zu vertrauen. Und um dies zu lernen, kann uns nichts Besseres passieren, als einem Pferd zu begegnen, das noch hochsensibler ist als Pferde im allgemeinen. Liebe Liberty, deshalb danke ich dir für die fünf Jahre, die du inzwischen bei mir bist!

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© Bettina Löber

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