Herz-Wege mit Pferden
Herz-Wege mit Pferden

Raum teilen und Zeit schenken

Stell dir vor, eine liebe Bekannte von dir kommt mehrmals pro Woche zu Besuch. Sie bringt immer leckeren Kuchen mit und ist wirklich eine nette Person, in deren Gegenwart du dich wohlfühlst. Die Besuche laufen allerdings immer so ab, dass ihr euch zusammensetzt und sie von sich und ihren Ideen und Erlebnissen erzählt … manchmal schlägt sie auch etwas Unerwartetes vor, zum Beispiel in den Garten zu gehen (wo sie dann weitererzählt) … und dann guckt sie auf die Uhr und sagt: Oh, meine Liebe, war schön mit dir, jetzt muss ich aber los! Wie fühlt sich das wohl für dich an, diese Besuche?

Manchmal ist es sehr hilfreich für uns, ein Beispiel aus der Menschenwelt zu nehmen, um unser Zusammensein und unsere Arbeit mit den Pferden besser wahrzunehmen. Dieses Beispiel soll abbilden, auf welche Weise viele zufriedene wohlbehütete Freizeitpferde das Zusammensein mit ihren Menschen erleben. Sie fühlen sich sicher, sind satt, empfinden Zuneigung, und wenn sie Glück haben, steht ihnen auch genügend Raum für die tägliche Bewegung zur Verfügung und eine Herde, mit der sie rund um die Uhr zusammenleben können. Ihre Grundbedürfnisse sind also erfüllt, und sie haben sich darauf eingestellt, dass ab und zu ihr Mensch kommt und dann Dinge mit ihnen macht, die nicht in ihre Pferdewelt gehören. Wenn es so läuft wie im oben genannten Beispiel, bestimmt in diesen ein, zwei oder drei Stunden ihre Mensch, was gemacht wird und gibt die Signale, und die Pferde passen sich an, weil das ihrer Natur entspricht. Die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd ist dabei relativ einseitig, denn der Mensch steuert das Zusammensein, um seine Ziele zu erreichen. Neugier, Motivation, eigene Kreativität und spontane Freude des Pferdes kommen hierbei oft nicht zum Ausdruck.

 

Immer mehr Pferdebesitzer wollen daran etwas ändern und verbringen auch Zeit mit ihren Pferden, ohne zu trainieren. Sie sitzen auf der Weide und schauen ihnen beim Grasen zu. So machen sie erste Erfahrungen, wie wunderschön es ist, wenn ihr Pferd von sich aus allmählich immer näher kommt, bis es schließlich genau vor ihren Füßen grast oder bei ihnen gemütlich hinlegt.

Sie gehen ganz selbstverständlich dazu über, ihren Menschen in die Herdenkommunikation einzubeziehen, was vorher nicht möglich war, weil ihr Mensch immerzu im Aktionsmodus war. Aber jetzt sitzt er oder sie einfach nur da, und schon können sie mit ihm das tun, was sie untereinander ständig machen, nämlich „Raum teilen“. RAUM ist für Pferde ein Ausdrucksmittel. Millimeterfeine Verschiebungen zwischen Pferden beim Grasen sind spielerische Kampfansagen oder Ausdruck von Nähebedürfnis. Das „angesprochene“ Pferd antwortet mit einer lustigen wilden Jagd (Jungpferde) oder, indem es nun ebenfalls näherrückt, bis beide für ein Weilchen Kopf an Kopf miteinander grasen. Unablässig wird durch kleine Bewegungen aufeinander zu und voneinander weg das Herdengefüge "abgetastet" und lebendig erhalten, so dass eine größtmögliche Harmonie entsteht.

 

Wenn wir Menschen uns eine echte Partnerschaft und Freundschaft mit unserem Pferd wünschen, können wir natürlich nicht immer nur auf es einreden - also als Trainerinnen auftreten, die etwas wollen. Mal ehrlich, hättest du gern so eine Freundin?

Die Freiarbeit mit Herz ist ein Weg zu so einer echten Freundschaft, in der beide sich mitteilen und auf die Bedürfnisse des anderen achten, nicht nur vor und nach dem Training, sondern auch dabei. Um unser Pferd zu verstehen, müssen wir die "Raumsprache" lernen, die aus Energie und Bewegung besteht.

 

„Raum teilen und Zeit schenken“ nenne ich die erste Übung, die wir in der Freiarbeit mit Herz machen, weil „Zeit schenken“ das ist, was der Mensch hinzugeben muss … etwas von seiner kostbaren, durchgeplanten und niemals ausreichenden Zeit. ZEIT ist hier auch ein Synonym für Ehrgeiz, Erfolg, Ziele erreichen wollen. Einfach nur mit dem Pferd dasitzen? Jede, die das tut, wird erleben, wie verständnislos viele Pferdebesitzer darauf reagieren. Wenn wir es schaffen, unseren Aktionsdrang mal zur Ruhe zu bringen und loszulassen, nehmen uns die Pferde mit in einen wunderbaren Zustand von DA-SEIN, einfach da sein und gucken, was passiert ...

Ja, und was passiert, wenn wir unseren Pferden den Raum überlassen? Sie nehmen ihre Wohfühldistanz ein. Suchen sich den schönsten Platz für ein gemeinsames Nickerchen oder schlendern Grashalme zupfend über den Platz. Vielleicht kommen sie auch mal zu uns, aber das ist nicht sicher. Wir lassen sie wirklich frei, auch emotional. Distanz ist bei Pferden keine Wertung und bedeutet nicht, dass sie uns nicht mögen. Gerade sensible Pferde leiden oft darunter, dass Menschen ihnen dauernd so nahe kommen. Jetzt können sie selbst entscheiden, und wir können an ihrem Verhalten viele wichtige Dinge für das Training und die Freiarbeit ablesen. Wir können unsere Wahrnehmung schulen für feine Unterschiede im Verhalten, in der Bewegung unserer Pferde. Wir können tief Luft holen und richtig im Augenblick ankommen, bevor wir in Aktion treten.

 

Jede Minute, die wir auf diese Weise unserem Pferd schenken, ist Ausdruck unserer Bereitschaft, ein echter Freund zu sein.

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