Herz-Wege mit Pferden
Herz-Wege mit Pferden

Respekt beim Füttern

In unserer Facebook-Gruppe ,Freiarbeit mit Herz' gibt es immer wieder Beiträge, die zeigen, dass der Wunsch nach einer echten Freundschaft und fairen Partnerschaft mit dem Pferd eine Kehrseite hat - Respektlosigkeit. Das Pferd beginnt, über unseren Raum zu verfügen. Das kann gefährlich werden, vor allem, wenn es um Futter geht. Deshalb möchte ich hier eine Übung vorstellen, wie wir Respekt erarbeiten können.

Die Ausgangsfrage ist: Wie kann ich meine Pferde füttern, ohne dass sie mich bedrängen, wenn ich mit dem Futter in ihren Bereich komme? Eine gute Freiarbeit mit Herz hat auch sehr viel mit Respekt zu tun. Und Freiarbeit mit Pferdesprache bietet wunderbare Möglichkeiten, das Problem in den Griff zu bekommen. Ich kann es hier nur ansatzweise beschreiben, aber vielleicht hilft dir das ja auch schon weiter.

 

Das Ziel ist, deinen Pferden klar mitzuteilen, dass du die "Chefin des Futters" bist. So wie ein ranghohes Pferd in der Herde den anderen Pferden mitteilen wird, dass die gerade gefundene leckere Grasstelle ihm gehört. Und dieser Vergleich zeigt schon, dass die Art und Weise, WIE wir es kommunizieren, bei jedem Pferd etwas anders ist. Mal reicht sozusagen ein-Ohr-anlegen oder mit-dem-Schweif-schlagen, mal müssen wir massiver werden - aber nicht in Aggression, sondern in der klaren Ansage: Diese Grasstelle gehört mir! Du kannst einen Eimer mit leckerem Futter nehmen und dann erstmal mit einem Pferd arbeiten. Es geht mal wieder um RAUM, diesmal um Raum einnehmen und beanspruchen. Wenn du den Futtereimer z.B. in der Mitte des Platzes hinstellst und dein Pferd zielstrebig darauf zusteuert, hältst du den Raum, indem du mit einer Bogenpeitsche o.ä. auf Bodenhöhe wedelst und dadurch genau das nötige Maß an Energie freimachst, das du brauchst, um den Kreis (vielleicht 3 m) rund um den Eimer zu halten. Irgendwann bleibt das Pferd stehen, senkt vielleicht den Kopf und signalisiert durch Körpersprache: Okay, ich akzeptiere das jetzt. Das ist der Moment, in dem du es einlädst, zum Eimer zu kommen und ein wenig zu naschen. Nach einer Weile schickst du es wieder weg. Später kann man sehr schöne Übungen zu Respekt und Fokus aus dieser Grundübung entwickeln, und wenn alle Pferde dies einzeln gelernt haben, mit mehreren gleichzeitig arbeiten. Das macht viel Spaß und legt die Basis für gemeinsames Gehen und Traben bis hin zum gemeinsamen Tanz.

 

Eins ist allerdings wichtig: Wenn du Pferde dabei hast, die sehr aggressiv werden, sobald es um Futter geht, kannst du den Futtereimer erst hinzunehmen, wenn du in der Lage bist, dein Pferd in jedem Tempo von dir wegzuschicken. Wenn das noch nicht der Fall ist, kannst du abwechselnd Wegschicken und ,Raum teilen und Zeit schenken' machen (siehe die Beschreibung im WOCHEN-BEITRAG). Dann nimmt die Verbindung und Beziehung keinen Schaden, und trotzdem entwickelt ihr das Wegschicken. Wie gesagt, das ist jetzt nur mal ein Einstieg in die Thematik RESPEKT und ARBEIT MIT FUTTER.

 

Wenn unsere Pferde verinnerlichen, dass wir die ,Chefs über das Futter' sind, genießen wir auch dadurch ihre Achtung und sie schließen sich gern an, denn gute Futterplätze kennen, das ist auch eine Aufgabe der Leitpferde. Sarah und ich erarbeiten diese Zusammenhänge in unseren Kursen. Ich hänge hier mal ein kleines Video an, das erst zeigt, wie ich mit meinen beiden Pferden mit Futter arbeite (sie lernen gerade, am Platz zu bleiben, egal was ich mit dem Futter mache), und hinterher, wie man Respekt auch in großer Nähe und Intimität erarbeiten kann. Wir hatten (und haben) viel Spaß bei allen möglichen Abwandlungen dieser Futter-Übungen, und ich kann nun tatsächlich meine Stute über etliche Meter davon abhalten, meinem alten Wallach sein Futter wegzunehmen.

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© Bettina Löber

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