Herz-Wege mit Pferden
Herz-Wege mit Pferden

Weibliche Pferdewege

Für die Freizeit-Pferdefrau mit Herz

 

Liebe Freizeit-Pferdefrau, wenn du genau wie ich vor einigen Jahren von einer Methode des Pferdetrainings zur nächsten wanderst, immer noch auf der Suche nach dem gemeinsamen Glück, dann könnten dir die folgenden Gedanken helfen.

Pferde als Herdentiere sind anpassungsfähige Geschöpfe. Wann immer es ihnen möglich ist, richten sie sich nach den momentanen Gegebenheiten und tun ihr Bestes, um sich harmonisch darauf abzustimmen. Deshalb sind sie so großartige Spiegel für uns Menschen.
Seit die Nutztier-Phase , in der sie Acker- und Kriegspferde für uns waren, vorbei ist und sich auf den Sport reduziert hat, sind die Ausprägungen von Mensch-Pferd-Beziehungen unglaublich vielfältig geworden, ein unübersehbares Spiegelkabinett.

 

Meine Zeilen wenden sich an eine noch recht junge Gruppe von Pferdebesitzern, die sich erst in den letzten zwei Jahrzehnten gebildet hat: die Freizeit-Pferdefrauen.
Liebe Freizeit-Pferdefrau, wenn du genau wie ich vor einigen Jahren von einer Methode des Pferdetrainings zur nächsten wanderst, immer noch auf der Suche nach dem gemeinsamen Glück, dann könnten dir die folgenden Gedanken helfen.


Die Freizeit-Pferdefrauen möchten natürlich auch ihr Pferd fit halten, aufs Reiten vorbereiten und für genügend Bewegung sorgen, jedenfalls die meisten von ihnen. Aber sie möchten es nicht ausschließlich. Ihre tiefsten Bedürfnisse und Gründe dafür, ein Pferd zu haben, liegen ganz woanders. Sie wünschen sich einen guten Freund, eine Partnerschaft, eine harmonische Beziehung. Sie möchten ihr Pferd glücklich machen. Sie möchten bei ihrem Pferd Frau sein! Ihre Liebe schenken, ihre Zuwendung, sie fühlen die natürliche Hingabe und den Gemeinschaftssinn der Pferde, und genau das möchten sie mit ihnen teilen. Erst die Beziehung, dann das Training.

 

Genau deshalb können die meisten Methoden sie auch nicht glücklich machen, denn es sind männliche Methoden, die sich aus den Notwendigkeiten, Pferde zu verlässlichen Kriegspferden oder Cowboyhilfen oder Sportkameraden zu machen, entwickelt haben. Zielstrebige Methoden mit klarer Rollenverteilung: der Mensch bestimmt und das Pferd folgt. Ich bin davon überzeugt, dass es auch in dieser „Männermethoden-Welt“ gute Pferd-Mensch-Beziehungen gab und gibt. Männer und Frauen, die täglich stundenlang mit ihrem Pferd zusammen waren oder sind und natürliche Führungsqualitäten und Klarheit besitzen, sind zuverlässige Partner für ihr Pferd. Pferde schätzen klare Führung, solange sie gewaltfrei ist. Sie ordnen sich dann unter und passen sich an. Aber ihre eigene Mitteilsamkeit und ihre Bedürfnisse bleiben auf der Strecke.

Es geht hier gar nicht um Männer und Frauen, sondern um männliche und weibliche Bedürfnisse und Energien. Und um uns Pferdefrauen, die wir mit unseren Pferden teilen wollen, was wir so gern auch in uns selbst wieder aktivieren wollen: weibliche Fähigkeiten und Verhaltensweisen. Gemeinschaftssinn, Harmoniebedürfnis, Feinfühligkeit, Wildheit, ein starkes Bedürfnis nach fließender und ehrlicher Kommunikation, Aufgehen in der wechselseitigen Hingabe, tiefe Herzverbindung, zusammen glücklich sein, einfach so.

 

Freizeit-Pferdefrauen, die so fühlen und suchen, brauchen neue Wege, um all dies mit ihrem Pferd zu erleben und trotzdem trainieren, reiten und gymnastizieren zu können.

Denn die meisten stehen irgendwann vor dieser Frage: Wie kommt es, dass mir das Herz aufgeht, wenn wir einfach nur so zusammen sind, aber sobald ich anfange, mit ihm zu trainieren, reißt die Verbindung ab und es fühlt sich nicht mehr richtig gut an? Wo gerade noch Verbindung von Herz zu Herz und ein schwingender Austausch war, ist jetzt eine einseitige Kommunikation. Ich teile meinem Pferd mit meinen Hilfsmitteln – Seil, Kappzaum, Gerte, Leckerli, Körper, Stimme  – mit, was ich möchte, und mein Pferd versucht, mich zu verstehen und das Richtige zu machen. Oder es sagt „Nein“ oder „ich möchte lieber noch mehr Leckerli“. Auf jeden Fall ist seine Aufmerksamkeit mehr bei den Leckerli als bei mir, und ich selbst kommuniziere durch den Strick und die Gerte, aber nicht mehr durch das Herz und meine fließende Energie.


Mir ging es jedenfalls eine ganze Zeit so. Meine wichtigsten Bedürfnisse wurden eigentlich immer nur dann erfüllt, wenn wir nichts gemacht haben, wenn ich mit den Pferden auf der Weide war und ihre grasende Gegenwart genossen habe. Und dann fielen mir glücklicherweise die Bücher von Linda Kohanov in die Hand und ich habe die Waterhole Rituals von Carolyn Resnick entdeckt, und endlich war da das Verständnis, das ich gesucht hatte, und eine riesengroße Erleichterung: Auch anderen Frauen geht es um die Wiedererweckung der Fähigkeiten, nonverbal zu kommunizieren. Irgendwo zwischen Kopf und Körper schwirren so viele Emotionen herum, die ich bisher ignoriert habe. Ich brauche Vertrauen und Verbindung zu mir selbst, nicht nur zu meinem Kopf. Wenn ich mein Herz öffne, bin ich oft traurig. Wenn ich meinen Körper spüre, fühle ich diese enorme Wut im Bauch, und die will ich ja nicht an meinem Pferd abreagieren ... Linda und Carolyn haben mir den Weg geöffnet. Er beginnt mit einer ehrlichen Selbstwahrnehmung. Ich bin mit meinem Pferd in Bewegung, und alles, was passiert, ist Kommunikation, von den Körperempfindungen über die Gefühle zu den Gedanken. Erst wenn ich mich selbst ganz wahrnehme, weiß ich, was das Pferd gerade alles anmir wahrnimmt. In dieser neuen Art des Trainings geht es erstmal nicht um eine bestimmte Bewegung, sondern um den Prozess, um die Energien, die fließen. Um alle Energien. Körperliche, emotionale, mentale. Es geht um die Wiederentdeckung und Wahrnehmung der vollen Intuition, der Instinkte und der tiefen Inspiration und ihre Umsetzung in Bewegung. Um die Befreiung der gemeinsamen Bewegungen, um das reine Spüren. Ganzheitliches Pferdetraining ist SEIN und TUN in einem. Das nenne ich ECHTE FREIARBEIT. Und was ist daran weiblich?

Wenn Frau und Pferd einander so fühlen und sich miteinander bewegen, entstehen die Bewegungen aus einer tiefen Freude. ,Stellen‘ und ,Biegen‘ wird zum genussvollen gemeinsamen „Über den Platz kringeln“. Die Herzverbindung ist so angenehm, dass unser Pferd ganz freiwillig in engen Volten um uns herumtanzt. Irgendwann meldet sich in beiden die innere Wildheit und möchte sich ausdrücken in einem impulsiven Tanz im Wechsel von Führen und Folgen, Raum geben und einnehmen, Losgelassenheit und Versammlung. Wir spiegeln einander unsere Schönheit, wir teilen unser Lachen im Gefühl der fließenden Bewegungen. Echte Freiarbeit ist ein Weg der Entfaltung innerer Potenziale, die in Frauen und Pferden darauf warten, erweckt zu werden.
Aus meinen Erfahrungen habe ich einen weiblichen Weg entwickelt, in dem SEIN und TUN eins sind, ich nenne ihn Freiarbeit mit Herz. In ihr geht es primär um die Beziehung und die Kommunikation. Das Bedürfnis, mein vierbeiniges Gegenüber mit seiner wortlosen Sprache zu verstehen, steht im Mittelpunkt. Herzverbindung ist das Wesentliche. Flexibilität ist wichtiger als das Erreichen von Zielen. Zuhören ist ebenso bedeutend wie sprechen. Natürlich geht es auch um Führung, denn wir müssen in der heutigen engen Welt in der Lage sein, unsere Pferde zu führen, das liegt in unserer Verantwortung. Pferde können uns nur respektieren, wenn wir auch führen können. Aber dazu brauche ich keine Unterwerfung, sondern wechselseitiges Vertrauen und Respekt. Ich muss nicht dauernd führen, sondern immer dann, wenn es nötig ist. Oder wenn ich mein Pferd zu etwas einlade, und es sagt Ja dazu. Wenn es Nein sagt, hat es Gründe. Die liegen zu Anfang meistens in mir. Zu wenig Energie oder zu viel, zu viel Druck, zu wenig Geduld, innere Blockaden, noch kein feines Raumgefühl, zu wenig Einfühlung oder Selbstvertrauen oder innere Balance. Mein Pferd nimmt mich mit in einen Selbsterfahrungskurs, und ich lerne, mich authentisch auszudrücken. Später sind die Neins des Pferdes oft Schwellen, die wir nun gemeinsam überwinden können. Zum Beispiel der natürliche Energiesparmodus eines Fluchttiers. Oder ein Verhaltensmuster, das sich irgendwann einmal im Pferd festgesetzt hat.


Liebe Freizeit-Pferdefrau, wenn du auch zu denen gehörst, die ich hier beschreibe, dann rate ich dir, auf deine Bedürfnisse zu vertrauen und von jetzt an nicht mehr dem „man muss“ und „das Pferd soll“ anderer Menschen zu folgen. Lass dich nicht mehr von den Ängsten anderer beeinflussen, die das Verhalten Pferden gegenüber bei so vielen Menschen beherrschen. Nichts ist sicherer im Umgang zwischen Mensch und Pferd als ein echtes Vertrauen auf der Basis von Respekt. Dieses Vertrauen entsteht aus einer authentischen Beziehung. Wenn du magst, schau dir die Freiarbeit mit Herz an, ich unterrichte sie in Kursen und auch in einem Onlinekurs, bei dem wir in ständigem Austausch miteinander drei Monate lang verbunden sind.


Ich wünsche dir und deinem Pferd, dass ihr das volle Glückspotenzial zum Schwingen bringt, das ihr in euren Herzen tragt!


Bettina von Herzwege mit Pferden

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