Herz-Wege mit Pferden
Herz-Wege mit Pferden

31.10.2014

Einblick ins Leben eines vierbeinigen Therapeuten

Er heißt Zarib, gesprochen mit weichem ,S', und ist ein über dreißigjähriger Shagya-Araber. Wenn wieder einmal jemand zu Besuch kommt und ihn so süß und niedlich findet, ihn anfasst, ohne zu fragen und fürsorgliche Gefühle auf ihn ausgießt, erträgt er das mit stoischer Ruhe. In den dreißig Jahren, in denen er es mit Menschen zu tun hatte, hat er sich daran gewöhnt. Es fällt diesen Zweibeinern einfach schwer, seine echte Größe zu sehen.

Das vorherrschende Thema in seinem Leben ist Essen – zumindest seit ich ihn kenne, und das sind jetzt sieben Jahre. Unsere Freundschaft entstand, als ich ihn aus seinem Dasein als reichlich abgenutztes Schulpferd befreite und voller Glück, ein eigenes Pferd zu haben, stundenlang mit ihm auf irgendwelchen Wiesen herumstand, damit er grasen konnte. Heute weiß ich, dass ich intuitiv genau das getan habe, was Pferde tun, um Verbindung herzustellen … gemeinsam grasen und dabei den geteilten Raum genießen. Ich bin mir sicher, dass er in seinem langen Leben auch hungern musste. Seit er weiß, dass dies nicht mehr passieren wird, blühen seine innere Qualitäten auf, und vor ein paar Tagen durfte ich dies in einem Einzeltraining mit einer jungen Frau mal wieder erleben.

 

Ihr Thema war Traurigkeit … Abschied. Sie konnte den Gedanken an diesen Abschied und die damit verbundenen Gefühle noch nicht zulassen. Das Pferd ihrer Wahl für die Stunde war nicht Zarib, sondern seine Herdengefährtin Liberty, meine noch recht junge Stute mit ganz eigenen Vorstellungen, was Nähe und Gemeinsamkeit angeht. Ein großartiger Spiegel für alle Ausprägungen gemischter und verdrängter Gefühle …

Zu dritt gingen wir auf ein Stück Wiese und ließen Zarib vor dem kleinen Tor außen stehen. Dort blieb er und guckte sich die Sache von oben an …

 

... Liberty kommt und geht und spiegelt das Hin und Her eines noch nicht fließenden Abschieds …

 

... wir schaffen einen geschützten Raum für den Schmerz, der noch blockiert ist …

 

... und nun steigen in den Augen der Frau Tränen auf.

Nicht nur die Tränen – auch Zarib kommt. Resolut drückt er das Holztor auf und marschiert zu uns auf die Wiese. Aber er will nicht grasen. Zielstrebig bewegt er sich auf die Frau zu und bleibt direkt neben ihr stehen. Zarib, der große Meister der Traurigkeit.

 

Ich kenne seine Kraft in solchen Momenten, und nun darf ich miterleben, was ich ein paar Jahre lang selbst mit ihm erfahren habe. Sein innerer Raum bietet viel Platz für die nun endlich befreite Traurigkeit. Sie hockt sich hin und weint, und Zarib bleibt noch kurz bei ihr stehen. Aber dann geht er weiter.

Ein oder zwei Minuten vergehen, bevor er ebenso zielstrebig wie vorher zu der Frau zurückkehrt … eine kurze Kommunikation, und sie steht auf, während er nun endgültig weiterzieht und zu grasen beginnt.

 

„Was hat er dir gesagt?“ „Dass ich jetzt endlich aufstehen soll“, antwortet sie und lächelt.

Die Arbeit ist getan. Die Unklarheit ist beseitigt, die Entscheidung für die Trennung klar, und Schmerz und Tränen dürfen jetzt fließen. Traurigkeit ist ein wichtiges Gefühl. Es enthält eine Botschaft: Lass los … vertrau dem Leben und geh weiter. Ich schenke dir Tränen der Reinigung. Lass es einfach zu – aber vergiss nicht, dann wieder aufzustehen und zurückzugehen zum Grasen!

 

Danke Zarib, einmal mehr, für deine Bereitschaft, uns an den Flow des Lebens zu erinnern!

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