Herz-Wege mit Pferden
Herz-Wege mit Pferden

Resonanz statt Methode

In einem spannenden Webinar haben Antoinette Hitzinger von der Sonnenpferd Connection und ich mit hundert wunderbaren Teilnehmern das Thema bewegt: „Resonanz statt Methode – warum Methoden dir den Weg zu deinem Pferd versperren können, und wie es anders geht … „
Der Austausch war so offen und berührend, dass daraus ein Blog entstanden ist, den ich mit euch teilen möchte.

 

Was bedeutet Resonanz für unsere Pferde?


Man könnte sagen: Fast alles! Pferde nehmen sich viel weniger als individuelle „Persönlichkeiten“ wahr als wir Menschen. Sie fühlen ihr eigenes Sein durch das Sein der Herde. Tief in ihrem Wesen tragen sie zugleich das Gefühl der Verbundenheit mit den anderen und das Gefühl der unendlichen Weite der Steppe, der Prärie, der Wüste. Die Herde ist der Mittelpunkt ihres Lebens und fühlt sich an wie ein einziges Wesen, das sich durch den grenzenlosen Raum bewegt.


Und nun sind sie hier bei uns. Auch wenn wir wollten, räumlich können wir ihnen diese Weite nicht geben, unsere Welt ist ziemlich eng. Aber psychisch können wir es! In unserem Umgang mit den Pferden können wir ihnen das Gefühl der Freiheit wiedergeben. Es wird eine andere Art von Freiheit sein, als die, die sie als Erinnerung in sich tragen.


Wenn das Pferd in einer Herde lebt, wird es sich in dem Moment, in dem sein Mensch kommt, um es zu holen, seiner verletzlichen individuellen Präsenz bewusst. Wenn sein Mensch noch im konventionellen Umgang mit Pferden unterwegs ist und immer sofort Halfter und Strick überzieht, das Pferd mitnimmt, am Putzplatz anbindet, das Putzen als möglichst schnelles Säubern durchführt, um daraufhin die benötigte Ausrüstung anzubringen und das Pferd auf den Platz oder in die Halle zu führen, erlebt es einen krassen Kontrast zu seinem natürlichen Sein. Je nach Beziehung zu seinem Menschen fühlt es sich vielleicht dennoch sicher und akzeptiert die Situation, indem es seine angeborene Anpassungsfähigkeit einsetzt und ganz in Resonanz zu den Wünschen des Menschen geht. Es versucht, alles richtig zu machen, um Dissonanzen zu vermeiden und das Gefühl der Sicherheit zu erhalten. Wenn sein Mensch wohlwollend mit ihm umgeht, ergibt sich eine gemeinsame gut erträgliche Routine, die allerdings nichts mit Freiheit und wechselseitiger Resonanz zu tun hat. Der Mensch „spricht“, das Pferd macht. Wenn der Mensch Dinge tut, die Sorge und Unwohlsein hervorrufen, zieht es sich tief in sein Inneres zurück und reagiert nur noch mechanisch auf die Wünsche des Menschen. Es dissoziiert, und während es den Menschen vielleicht durch die Halle trägt oder sich für ihn bewegt, reitet seine Seele innerlich mit dem Wind über die Weite der Steppe. In beiden Fällen kann es seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse, seine Stimmungen und Impulse nicht zum Ausdruck bringen und vermisst die natürliche Resonanz, die es in seiner Herde findet.


Das Selbstgefühl eines Pferdes lebt aus dem Verbundensein mit anderen Wesen. Verbundenheit durch fühlende Resonanz ist sein natürlicher Zustand. Es wird immer fühlen und wahrnehmen, was emotional, energetisch und mental in uns los ist, auch wenn wir vielleicht gerade selbst versuchen, darüber hinwegzugehen. Immer, wenn wir es zu uns holen, um etwas mit ihm zu machen, sucht es im tiefsten Innern das gemeinsame Gefühl der Verbundenheit, des Miteinander-Schwingens, des Eingebettet-Seins in eine Gemeinschaft. Je weniger wir dieses Bedürfnis beantworten durch die Art, wie wir es halten und durch die Aktivitäten, die wir ihm bieten, um so weniger kann es sich selbst spüren. Wenn ein Mensch in der Lage ist, durch seine Präsenz und Empathie mit dem Pferd ganz in Resonanz zu gehen, kann er ihm damit „die Herde ersetzen“, wie K.F. Hempfling es mal genannt hat. Durch die Resonanz zwischen beiden entwickelt das Pferd ein neues Gefühl von Individualität und erkundet die Verbundenheit mit dem Zweibeiner, wodurch sein Selbst-Bewusstsein zunimmt. Diese fühlende Präsenz zu entwickeln, um sie unserem Pferd zu schenken, ist ein Weg, den wir nicht in ein paar Tagen gegangen sind. Pferde als geborene Energiewesen sind so viel feiner als wir in ihrer Wahrnehmung und ihrem Ausdruck! Diesen Weg zu gehen, ist eine Lebensaufgabe … nicht immer leicht, aber wie das bei Resonanz so ist: mit wunderbaren Auswirkungen auf unser eigenes Sein. Und die ersten Früchte ernten wir schon nach kurzer Zeit.

Wie können wir angesichts mangelnder Weite und manchmal ungünstiger Haltungsbedingungen dennoch auf die Bedürfnisse unseres Pferdes eingehen und so zu seinem Wohlbefinden beitragen?


1. Indem wir es davon befreien, für uns zu funktionieren. Jede kleine Handlung, die wir ausführen, hat für unser Pferd eine Bedeutung. Wenn wir es von der Weide holen, putzen, füttern, gymnastizieren, reiten, machen wir etwas mit seinem Körper und mit seiner Psyche. Wenn unser Vorgehen dauernd „Methode hat“ im Sinne von Effizienz und Zielorientierung, ist da kein Raum für Resonanz. Einseitig dominierte Kommunikation ruft wie gesagt die Anpassungsfähigkeiten des Pferdes auf, aber es entsteht keine harmonische Schwingung zwischen beiden. Schon das Putzen wird zu einem mechanischen Vorgang, der womöglich auch noch schnell gehen soll. Was Pferden in dieser Hinsicht oft ganz selbstverständlich abverlangt wird, würden die wenigsten Menschen gut aushalten, geschweige denn mögen.


2. Indem wir unserem Pferd Raum geben, sich mitzuteilen. Da es sich durch Bewegung (oder Nichtbewegen) ausdrückt, da es über das Hin-und-Her-Fließen von Energien kommuniziert und seine Eindrücke und Mitteilungen in manchmal minimale körperliche Reaktionen umsetzt, brauchen wir Momente, in denen wir still sind und aufmerksam zuhören. Und wir brauchen Momente, in denen das Pferd sich in einem gemeinsamen Raum frei bewegen kann. Viele Pferde brauchen Distanz und Zeit, um ihre eigenen Bedürfnisse auszudrücken. Je öfter sie es tun können, um so mehr sind sie dazu bereit. Um still zu sein, brauchen wir innere Gelassenheit. Wenn wir zu viel wollen, womöglich in begrenzter Zeit, ist da kein Raum für unser Pferd.


3. Indem wir uns im Zuhören und Spüren von Resonanz üben und auf dieser Basis in einen fließenden Dialog mit unserem Pferd kommen. Der beste Weg, dies zu tun, ist eine Freiarbeit, die erstmal ganz ohne Ansprüche bleibt, welcher Art die gemeinsamen Bewegungen sind. Allmählich entwickeln sich facettenreiche Dialoge, und die Beziehung zwischen Mensch und Pferd verändert sich. Es ist spannend! Herzberührend! Manchmal verunsichernd. Jetzt fühlen auch wir Zweibeiner, wie es ist, wenn wir nicht genau verstehen, was unser Gegenüber möchte, oder nicht so recht wissen, wie wir es ihm recht machen können. Wir lernen nonverbale Kommunikation … und werden so ganz nebenbei auch in der Menschenwelt feiner in unserer Wahrnehmung und in unseren Beziehungen, denn auch bei uns Menschen macht die Kommunikation durch Worte nur etwa fünf bis zehn Prozent des Austauschs aus. Dass wir uns so sehr darauf fixiert haben, liegt am Verstand, am Denken. Resonanz entsteht aber nicht durch Denken, sondern durch Schwingung, durch die Berührung der Herzen. Durch das Zusammenfließen vitaler Energien in gemeinsamer Bewegung. Auf diese Weise mit einem Pferd zu tanzen, schenkt uns ein zutiefst freudiges Selbstgefühl. Und dann halten wir nicht daran fest, sondern lassen wieder los … sanft wechseln Nähe und Distanz, Verbundenheit und Loslassen, Aktion und Pause. In diesen gemeinsamen Rhythmen fühlt unser Pferd, wie es „gesehen wird“, und es spürt die besondere Art von Freiheit, die aus dem Miteinander-Teilen des Augenblicks entsteht.


Wenn wir diesen Weg für unsere Pferde öffnen, entwickeln wir schon bald eine Beziehung mit ihnen, die sie Ja sagen lässt auch zu unseren weiteren Ideen und zu unseren Methoden. Dann haben wir gelernt, diese Methoden nicht mehr auf Kosten ihrer Freiheit anzuwenden, sondern in Resonanz. Wir hören die Neins und entwickeln die Flexibilität und Spontaneität, darauf zu antworten. Unsere Ziele dominieren nicht mehr das Geschehen, sondern schwingen mit in unserem Bewusstsein.

Und das wichtigste Ziel ist … der gemeinsame Weg!

Ausschnitte aus dem Webinar zum selben Thema kannst du hier  hören.

AKTUELL:

Bis zum 31. August ist Sommerpause bei den Herzwegen!

Anfragen und Anmeldungen werden aber trotzdem bearbeitet.

 

Neuer Blog: Die Verwandlung des inneren Saboteurs

 

Nächste  Seminare:

am 16. September: fünfter Tag des Sommerkurses Mit Pferden tanzen - Ein Selbsterfahrungskurs, Teilnahme auch als Einzeltag möglich

 

Nächste Pferdekurse:

am 1./2. September: Freiarbeit mit Herz Basiskurs zum ermäßigten Preis, weil der Kurs von den angehenden neuen Freiarbeit mit Herz-Trainerinnen geleitet wird. (Ausgebucht - Warteliste)

 

am 1. September beginnt der nächste Freiarbeit mit Herz Onlinekurs (Basis)

 

Ausbildung zur Freiarbeit mit Herz - Trainerin: Infos hier

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