Herz-Wege mit Pferden
Herz-Wege mit Pferden

Die Verwandlung des inneren Saboteurs

In den Herzwege-Coachings arbeiten wir immer wieder an der Entlarvung und Verwandlung des inneren Saboteurs, dieser unbarmherzigen Stimme, die uns solange knechtet und kleinmacht, bis wir begreifen, was da passiert, und uns bewusst von ihr verabschieden, um von nun an zu uns selbst zu stehen, uns selbst zu lieben und schließlich zu vertrauen.

Kennst du sie, diese Stimme in deinem Kopf oder in deinem ganzen Körper, die niemals zufrieden ist, egal, was du tust und wie du dich anstrengst? Kennst du ihn, diesen Bewohner deines Inneren, der mit dem einen Auge nach links und mit dem anderen nach rechts schielt, um zu schauen, welche Maßstäbe im großen Kollektiv gelten, und dich daran zu messen? Wie kommt es nur, dass du ihn niemals zufriedenstellen kannst, dass er immer etwas findet, was nicht gut genug, nicht schön, schnell oder stark genug war? Wie kommt es, dass er dich, obwohl du doch ein erwachsener Mensch bist, der eigentlich in der Lage ist, für sich selbst gute Entscheidungen zu treffen, andauernd entzwei reißen kann, so dass du fast nie in die Ruhe und den Frieden findest, die aus dem tiefsten Innern, aus der Mitte aufsteigen und uns erfüllen, wenn wir im Einklang mit uns sind?

 

Der Saboteur hat eine lange Geschichte in unser aller Leben. Es gibt ihn auch, wenn er nicht so deutlich als Stimme wahrnehmbar ist und sich eher unbemerkt in die Gedanken einschleicht. Wann er zum ersten Mal auftaucht, ist schwer zu sagen, wir werden uns kaum daran erinnern. Denn alles beginnt ganz leise, im Hintergrund. Wir werden geboren, lernen die ersten Wörter, lernen zu laufen, und schließlich sagen wir zum ersten Mal „Ich“. Ab jetzt gibt es zunehmend ein Innen und ein Außen, das Eigene und das Fremde, und wir empfinden, was wir noch nicht in Worte fassen könnten: Überleben können wir nur, wenn wir immer wieder unseren Platz finden in diesem Außen, zu dem auf völlig unerwartete Weise auch unsere Eltern gehören und alle Menschen, die uns umgeben und für uns sorgen. Von jetzt an kommen die Lektionen Schlag auf Schlag: Das war falsch, dies bringt uns Abweisung, jenes enttäuscht die anderen und gefährdet unsere Geborgenheit, weil der darauf folgende gefühlte Liebesentzug nicht auszuhalten ist. Da sind Eltern und Lehrer, die den Saboteur in sich niemals entlarvt haben und es nicht besser wissen: Sie formen uns genauso, wie sie selbst geformt wurden. Sie haben nicht begriffen, dass es eine Welt jenseits des Systems und der kollektiven Maßstäbe gibt, eine schillernde, bunte und aufregende Welt, die wir nun nur noch sporadisch und bald gar nicht mehr erkunden dürfen, denn jetzt geht es um unseren Platz im System, ohne den wir nicht überleben können.


So wird die mahnende, rügende, zurechtweisende Stimme im Innern immer lauter und passt auf, dass wir nichts Unerwünschtes tun. Je lauter sie wird, umso mehr fühlen wir uns nicht mehr als eins, sondern als zwei. Nun kommt es darauf an, wie wir aufgrund unseres inneren Wesens besaitet sind. Viele gleiten nun recht schnell in das System, und sie hören auch schon bald keine Stimme mehr. Sie funktionieren mal besser, mal schlechter, aber im Großen und Ganzen kriegen sie das geregelt und finden Ziele innerhalb des Systems, für die es sich zu leben lohnt.


Schwierig ist es für die Zartbesaiteten, die Hochsensiblen, die Feinfühligen und Mitfühlenden unter den noch kleinen Menschen, die meist reife und tiefgründige Seelen in sich tragen. In ihnen bleibt der innere Ruf viel länger lebendig und verstummt niemals ganz. Da ist immer dieser innere Ort, an den sie fliehen können, wenn es im Außen einfach zu viel wird. Momente der Stille, der Verbundenheit und des tiefen Wissens. Und dann geht es wieder los mit all den Ansprüchen im täglichen Außenleben, zu funktionieren, zu leisten, zu gehorchen, sich anzupassen, mitzumachen oder geächtet zu werden. Wie soll das alles gehen ohne diesen Wächter über die Werte, der ständig aufpasst und mahnt und alle ungebärdigen und ungestümen inneren Regungen in die Schranken weist?


Der Saboteur wird zum unentbehrlichen Begleiter, zum Geländer, das uns bewahrt vor allzu vielen Stürzen. Und jetzt haben wir die Wahl. Entweder wir folgen ihm mehr oder weniger bedingungslos, oder er zieht immer mehr Register, um einen guten Job zu machen. Wenn wir viel Angst haben, kann es passieren, dass er nicht ausreicht und weitere Stimmen entstehen. Nachdem wir ohnehin schon nicht mehr eins sind, sondern innerlich gespalten wurden, macht es auch nicht mehr viel, wenn weitere Ratgeber auf den Plan treten. Das Opfer zum Beispiel, oder selbsterschaffene Begleiter, die uns nun durch unsere täglichen Erfahrungen lotsen. Ab einem bestimmten Punkt ist es nur noch ein weiterer Schritt in das, was wir heute Psychose nennen mit den verschiedenen Varianten und Diagnosen, die keiner richtig erklären kann. Das menschliche Wesen ist so mächtig, so tief und so unglaublich komplex, dass sich all die psychischen Schwächen und Erkrankungen nicht kategorisieren lassen.


Auch ohne diesen besonders kritischen Punkt zu erreichen, leben viele Menschen in der inneren Entzweiung. Während manche es gar nicht wahrnehmen, kämpfen oder straucheln andere durch ihren Alltag und ihr Leben und versuchen, den Kopf über Wasser zu halten und wenigstens etwas Durchblick und Luft zum Atmen zu behalten.
Wenn du den Saboteur in dir wahrnimmst, wenn du diese Stimme kennst, die dich verachtet und runterputzt, die dir zuraunt oder ins Ohr brüllt, was für eine ohnmächtige Versagerin du bist oder, als tarnende Variante, was für Versager die anderen doch alle sind, dann ist es an der Zeit, den Überlebenskampf zu beenden. Den Saboteur zunächst einmal zu entlarven und dann in einen echten Helfer zu verwandeln, erfordert Mut, tut auch weh und ist doch bei jedem Schritt, den du gehst in die Freiheit, eine Riesenerleichterung.

Zuallererst brauchst du einen Boden unter den Füßen, damit du sicher stehen kannst, wenn du aufhörst, mühsam den Kopf über Wasser zu halten und beginnst einzutauchen. Du brauchst Erdung und eine Rückverbindung zu der, die du wirklich bist, zu deinem authentischen Sein, zu diesem inneren Ort, an den der Saboteur niemals gelangen kann. Nun kannst du etwas untertauchen in die strudelnden Wasser all der Emotionen, die seit Jahren oder Jahrzehnten nicht zu dir sprechen konnten. Sie waren alle da, um dich zu warnen, zu wecken, dir Mut zu machen, dir Kraft zu schenken. Sie waren alle als Botschafter gekommen, aber sie wurden nicht erhört.

 

Denn auch das gehört zum System: nicht traurig sein, nicht weinen, nicht aggressiv und wütend sein und dadurch unangenehm auffallen, nicht neidisch oder eifersüchtig sein, denn das widerspricht der geheuchelten Nächstenliebe. Hier hast du den Panzer, hinter dem der Saboteur sich gut verpackt verbirgt. Nur wenn der Kopf eintaucht und das Herz sich öffnet, lösen sich die Kettenglieder des Panzers auf, und auch wenn dies deine ganze Hingabe und Aufmerksamkeit und deinen Mut erfordert, du überlebst es.
Es ist gut, wenn du nicht allein bist in den Momenten der Begegnung. Geh an einen Ort, der voller Herz ist und dich trägt.

Wenn die Frauen zu uns kommen, die ihren Saboteur verwandeln wollen, dann werden sie getragen von der wärmenden Energie der Pferdeherde und der Natur. Wir halten den Raum und den Boden unter den Füßen, und wir teilen die Freude, die nach jeder Welle der Erneuerung entsteht. Es ist keine oberflächliche Freude, sie ist mal still, mal kraftvoll strahlend. Die Pferde lieben diese Momente der geteilten Freude! Sie lecken und kauen noch eine Weile, um die verbliebenen Spannungsenergien aufzulösen, und dann nehmen sie all die Zärtlichkeiten, das Kratzen und die Dankbarkeit in sich auf, die ihnen großzügig gegeben werden.


Wenn der Saboteur sich verwandelt und aus dem Schatten ins Licht tritt, ist die Stimme im Kopf nicht gleich weg. Je nachdem, wie laut und stark sie war, ertönt sie noch, als wäre sie eine liebgewonnene Gewohnheit. Unser Hirn ist in dieser Hinsicht ganz schön „hartnäckig“. Aber wir hören ihr nicht mehr zu. Bei jedem miesen Einwurf steigt jetzt Liebe aus dem Herzen auf, und zwar Selbstliebe. Lass ihn reden. Identifizier dich einfach nicht mit ihm. Bleib dir treu. Irgendwann ist es dann so weit. Der Saboteur wird zum Helfer und lässt sich vernehmen, wann immer du in Handlungen der Selbstsabotage zurückfallen und dein Heil aus Angst „im System“ suchen willst.

Eine Zeitlang ist der Helfer ziemlich beschäftigt. Er ist die Lichtseite des Saboteurs, der Behüter, und da sind etliche Verhaltensweisen und Glaubenssätze, die beleuchtet und erneuert werden wollen. Das darf einfach passieren. Jetzt ist da Vertrauen in die innere Führung, diese innere Weisheit, die es schafft, genau im richtigen Moment genau die richtige Erfahrung, genau die richtige Begegnung zu inszenieren, um wieder etwas mehr Licht und Klarheit zu erzeugen. Aus der inneren Ein-igkeit entsteht Ruhe und innerer Frieden. Er kommt aus dem Herzen, nicht aus dem Kopf.


Solange der Saboteur in einem Menschen schalten und walten kann, ist Frieden nicht zu finden. Solange wir die Lösungen in der Mühle unserer Gedanken suchen, werden wir immer wieder die gleichen Situationen erleben. Die wahren Impulse kommen aus dem Herzen, sie können uns auf neue Wege führen und neue Gedanken erwecken, echte Inspirationen. Das Herz spricht dann am deutlichsten zu uns, wenn wir nicht im mentalen Raum herumschwirren, wie das so häufig der Fall ist in unserer Zeit, sondern wenn wir da sind, wo wir hingehören: in unserem Körper, diesem unglaublich feinen und faszinierenden Wohnort, der es uns ermöglicht, präsent zu sein und in unserer Mitte. Es ist Teil des Systems, den Körper und das Herz zu einem Werkzeug und zu einer Pumpe zu degradieren.


Es ist jetzt wirklich entscheidend, einzutauchen ins Leben und alles wieder in eins zu fügen, was zerrissen wurde. Hast du auch manchmal das Gefühl, gerufen zu sein? Gebraucht zu werden, damit Mutter Erde und all ihre Geschöpfe diese unglaubliche kollektive Riesensabotage überstehen und wieder heil sein können? Mein Gefühl ist, dass es auf jede und jeden ankommt. Verbinde dich nicht mit all den Nachrichten über Leid und Elend, die täglich über uns ausgegossen werden. Das ist alles Nahrung für den Saboteur, solange er in dir aktiv ist. Du kannst erst helfen, wenn du dir selbst geholfen und deinen inneren Ort wieder gefunden hast. Verbinde dich wieder mit dir selbst und mit deinem Ursprung.

 

Schaff in dir einen weiten, grenzenlosen Raum ohne Wertungen, und lass alles hindurchfließen. Erfreu dich an vielem und akzeptier das übrige. Nimm die Schönheit und Kraft an, die dir geschenkt werden.

So kannst du wirklich helfen und etwas verändern.

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© Bettina Löber

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